Es war wieder wunderbar!
Die kleine Auszeit im November.
Diesmal recht gut vorbereitet, (Telefonate, Kartenstudium, Internetrecherche nach der Route, vorgereitete GPS-Dateien im Navi gespeichert) wenn auch das Spontane dann leidet, aber Abenteur war es dennoch genug.
Begleitung: Bis Heppenheim 
Dierk, ab dort Peter von Luftpumpe Darmstadt
Dierk und ich trafen uns Donnerstag 18 Uhr an der Godesberger Fähre. Dann bei vielleicht 5°am Rheinuferweggen Koblenz. Das Siebengebirge noch recht gut beleutet, sieht gut aus, wie die Kulisse vorüberzieht. Gut nach Koblenz gefunden, dort gegen 21 Uhr Rast an der Grillbude beim Bahnhof, ein Treffpunkt schräger Vögel.
Per GPS die zappendustere und in keinster Weise ausgeschilderte Zufahrt zur Rheinbrücke nach Lahnstein gefunden ( von der beleuchteten Straße einfach rein ins Dunkle) die das Falck vorgeschlagen hatte (”warte, wir sind zu weit, da hinten muss es sein, ah, da geht es vielleicht weiter, ah ja, geht weiter…ja, das stimmt…”). Radreisen sind in D nicht wirklich vorgesehen - mit dem Auto geht es vieeel einfacher. Aber eben ohne Thrill.
Dann die Lahn entlang bis Bad Ems. Dierk hatte dort letztens einen Triathlon, so konnte er mir eine kleine Stadtrundfahrt geben.
Am Lahnufer raus aus dem Ort, es fängt an zu regen, Zeit zum Übernachten. “Hör mal, vielleicht geht in den Buden ‘was?” “Was für Buden?” Da ging etwas!
Sauber und trocken standen vor einem Altersheim Buden für anscheinend einen Weihnachtsmarkt! Schnell Tür auf, Räder rein, Tür zu. Prima, unkompliziert, zur rechten Zeit. Bisschen essen, ab in den kuschligen Schlafsack. Morgens merken wir, dass wir gerade vor dem Essensraum gelandet waren, durch die Scheibe sieht man die Bedienung beim servieren, die Rollatoren werden rein geschoben. Wir verschwinden so diskret, wie wir gekommen sind.
In Nassau ein groß ausgebauter Kiosk, oder schon ein kleines Cafe? Die aus Norddeutschlandvor Jahrzehnten eingewanderte Besitzerin und die Stammgäste unterhalten sich ein wenig mit un, wir nutzen den Sanitärbereich, und rauf geht’s Richtung Wiesbaden, über den Taunus.
Das waren dann einige Höhenmeter, und zwischendurch reißt noch Dierks rechter Schaltzug, wir stellen das Schaltwerk auf irgendwo Mitte der Kassette, vorne hat er drei Kettenblätter - geht ganz gut! Der Anstieg zur Hohen Wurzel fordert uns noch, dann lange Abfahrt, bis wir mitten in Wiesbaden vor einem Fahrradladen reparieren. Noch etwas raus aus der Stadt und an der Frittenbude mehrere Kaffee und etwas zu essen. Das Wetter hier unten ist doch viel freundlicher, als bei Nieselregen knapp unter den Wolken oben im Taunus!
Dann flach weiter , bis wir im Dunkeln Heppenheim erreichen. Wir fragen nach einer bürgerlichen Gastwirtschaft, sitzen wenig später sehr gemütlich im “Hirschen” und probieren beim Essen den örtlichen Riesling. Dann ausführliches Kartenstudium: Wir sind ja am Rand der Rheinebene, hier muss es doch möglich sein, einen Platz für’s Zelt mit Aussicht zu finden? Also die Straße hoch, es wird ein Weg, wir schieben, sehr steil, ein Weinberg - der Platz mit Aussicht! Ein Lichtermeer unter uns, hinten Mannheim, vorne Straßen und die Eisenbahnlinie, minutenlang sieht man die Zügehinter Häusern und Bäumen verschwinden und wieder hervorkommen, die Lichter blitzen.
Eigentlich wollte ich unterm freien Himmel schlafen, aber ein Regenschauer treibt mich wiederwillig ins Zelt.
Morgens einen Apfel und ein Schluck Wasser und auf zu Peter. Wir bekommen Frühstück, seine Uli fährt zur Arbeit, die Sonne scheint, wir verabschieden Dierk und radeln Richtung Heidelberg. Die Auflösung des GPS-Geräts ist nicht fein genug, wir landen am Schlossberg auf einem steilen Pfad, dann auch noch Baumfällarbeiten, Weg gesperrt, zurück, auf die Straße, wir erreichen doch noch Sinsheim und zügig geht es immer weiter. Peter hat ein Garmin-GPS, ich das Falck, die ergänzen sich meißtens ganz gut. Wir können ja auch beide die Informationen sinnvoll interpretieren, meißtens. Was nervt: im Großraum Stuttgart gibt es viele Landwirtschaftswege, und die Autofahrer dort haben die Einstellung, dass die Straßen ihnen und keinesfalls uns gehören, solln wir doch auf irgendeinen Landwirtschaftsweg neben der Starße. Wir probieren es manchmal, aber all zu oft nimmt der Weg dann eine Biegung, die nicht unserer Richtung entspricht. Wir wollen schließlich nicht irgendwo hin, sondern nach Bad Boll, wir wollen voran kommen. So oft wird man in keiner anderen deutschen Region angehup, auch wenn man völlig legal auf freier Straße hintereinander an der rechten Seite fährt.
Die letzten 10 km sind die schwierigsten: es ist wieder dunkel, das Navi (Peter seines, lieber Leser: ich war’s nicht (oder nur ein bisschen)) führt uns in den dunklen wald, wir schieben einen MTB-Trail voller Schlammlöcher, wir sehen Autolichte, darauf zu, und erneut über Feldwege. Dann wieder ordentliche Straßen, ein Wegweiser, da ist der Parkplatz, die Evangelische Akademie, geschafft, die Kollegen, Wärme, Abendessen, Plenum. Die Zivilisation hat uns wieder.
Übrigens: in der zweiten nacht ging ein Regen in schnee über, das Sahnehäubchen war ein Lauf im Schnee am Aichelberg. Partner Jörg und Christoph (Rückenwind) sind auch da, zusammen geht’s nach dem Montagsabendessen im Auto zurück.
War schön, das jetzt Mitte Jan 2011 zu schreiben, eine schöne Erinnerung. Alle Ereignisse habe ich ja so wie so nicht beschrieben, ihr dürft aber versichert sein, dass so eine Reisezu den Jahreshöhepunkten gehört.